Gastronomie der Marina Alta schlägt Alarm: Margen von 15 auf 3 Prozent
Wo Bars und Restaurants früher 15 bis 17 Prozent behielten, gilt heute 3 bis 4 Prozent schon als Erfolg, sagt der Branchenverband. Was los ist, und die Lehre für alle mit Lokal-Träumen.
Die Terrassen von Dénia, Xàbia und Moraira waren diesen Sommer nicht immer so voll, wie sie aussahen. Der Gastronomieverband der Marina Alta, AEHTMA, schlägt Alarm: Die Rentabilität von Bars und Restaurants ist in den vergangenen Jahren stark gefallen. Wo Wirte früher 15 bis 17 Prozent Marge behielten, gilt heute schon 3 bis 4 Prozent als Erfolg. Und hinter dieser Schrumpfung steckt mehr als ein enttäuschender Monat.
Von 15 Prozent Marge auf höchstens 4
Die Zahlen stammen von Reme Cerdá, Geschäftsführerin des Branchenverbands AEHTMA, im Gespräch mit der Regionalzeitung La Marina Plaza. Ihr Fazit ist ernüchternd: Die Zeiten von 15 bis 17 Prozent Rendite sind vorbei, und wer das Jahr mit 3 bis 4 Prozent abschließt, darf zufrieden sein. Die üblichen Verdächtigen auf der Kostenseite sind bekannt, aber hartnäckig: höhere Steuerlast, Energie, teurerer Einkauf, steigende Personalkosten und happige Gewerbemieten. Der Umsatz wächst schon lange nicht mehr darüber hinaus.
Der Juli war der perfekte Sturm
Diesen Sommer kam ein bitterer Juli hinzu, durch drei Faktoren gleichzeitig. Die Fußball-WM hielt einen Teil der ausländischen Gäste daheim vor dem Bildschirm. Extreme Hitze und Luftfeuchtigkeit vertrieben die Mittagsgäste von den Terrassen. Und darunter schiebt sich ein struktureller Wandel: Konsumstudien großer Getränkemarken zeigen, dass spürbar weniger Wein und Bier getrunken wird, genau die Produkte, mit denen eine Bar ihre Marge macht. Der August zog zum Glück wieder an, und der Verband rechnet mit einem guten September und Oktober.
Kürzere Aufenthalte, kürzere Saison
Unter den Sommerzahlen laufen längere Linien. Besucher bleiben kürzer als früher, der Gipfel drängt sich auf weniger Tage zusammen. Und die Verlängerung der Saison, der große Wunsch der Branche, prallt immer an dieselbe Mauer: den Schulkalender. Familien, noch immer das Rückgrat des Tourismus in der Marina Alta, können außerhalb der Ferien schlicht nicht kommen. Der Verband urteilt deshalb lieber übers ganze Jahr als über einen Monat: Das Fazit zu 2026 fällt erst, wenn auch die Nachsaison gezählt ist.
Die Sommerzahlen zeigen genau dieses Spannungsfeld. Die Hotels an der Küste lagen im August über 90 Prozent und im September noch bei 88,1, während die Kosten stärker stiegen als der Umsatz. Wie voll es hier wirklich war, mit Moraira bei 98,9 Prozent als Ausreißer, steht in unserem Beitrag zu September als der neuen Hochsaison.
Die Lehre für alle mit Lokal-Träumen
Für alle, die von einer eigenen Bar oder einem Restaurant an der Costa Blanca träumen, ist diese Geschichte kein Grund aufzugeben, aber jeder Grund, hart zu rechnen. Bau deinen Businessplan auf Margen von wenigen Prozentpunkten, nicht auf die fetten Jahre von früher. Rechne die Miete einer Toplage ehrlich durch, sie ist oft der leiseste Margenfresser. Setz auf das, was Gäste heute bestellen: Alkoholfreies, Kaffee und Essen wiegen im Mix schwerer als früher. Und plane den Umsatz je Saison, mit dem Juli als Warnung, dass selbst der Sommer keine Garantie mehr ist. Mehr übers Selbstständigsein in der Region? Lies auch unseren Ratgeber zum Arbeiten an der Costa Blanca.

MILO SCHUIJT