Ein Jahrhundert Tourismus in Calpe, jetzt in einer kostenlosen Ausstellung
Von 1.970 Einwohnern im Jahr 1950 auf über 28.000 aus 102 Ländern. Das Tourismusbüro erzählt das in sechs Kapiteln und ist damit Saal 23 eines weltweiten Museums.
Wer vom Peñón hinunterschaut, erfasst auf einen Blick, was hundert Jahre mit Calpe gemacht haben: Hochhäuser, ein Yachthafen, Urbanisationen bis in die Hügel. Wie dieser Wandel genau verlief, lässt sich seit dieser Woche im Tourismusbüro nachlesen, wo eine Dauerausstellung über ein Jahrhundert Tourismus eröffnet wurde. Der Eintritt ist frei, und es ist eine der angenehmsten Arten zu verstehen, warum diese Küste so aussieht, wie sie aussieht.
Was zu sehen ist
Die Ausstellung heißt schlicht 100 Jahre Tourismus in Calp und hängt im Tourismusbüro an der avenida de los Ejércitos Españoles. Zu sehen ist Sammlerarbeit im besten Sinne: Reiseführer, Prospekte, Postkarten, Plakate und städtische Veröffentlichungen, größtenteils zusammengetragen von Joaquín Vázquez Boronad. Ein QR-Code führt zur begleitenden Website, wenn du tiefer graben willst.
Bemerkenswert ist der Status des Raums. Calp wurde als Saal 23 in das Museo del Turismo aufgenommen, ein internationales Non-Profit-Netzwerk, das die Geschichte des Tourismus dokumentiert. Dieses Museum hat kein Hauptgebäude; es besteht aus mehr als hundert realen Sälen in 23 Ländern, mit Beiträgen in zwanzig Sprachen. Eine Gemeinde an der Costa Blanca steht damit auf derselben Karte wie Museen anderswo auf der Welt.
Sechs Kapitel, hundert Jahre
Die Geschichte ist in sechs Phasen geteilt, und genau diese Gliederung macht sie lohnend. Sie beginnt um 1900 mit einem abgeschiedenen Calp von rund 1.800 Seelen, erreichbar per Kutsche. 1915 kommt der Trenet de la Marina, die Schmalspurbahn an der Küste, und der Penyal d’Ifac wird gekauft. 1935 eröffnet der Parador d’Ifac, das erste Hotel von Rang.
Phase vier ist für Leser dieser Seite die reizvollste: 1957 wird der Markenname Costa Blanca geprägt, und von da an hat die Küste ein Gesicht zum Verkaufen. Es folgt der Bauboom der sechziger und siebziger Jahre, der die Silhouette hervorbrachte, die man heute vom Felsen aus sieht. Das letzte Kapitel handelt von Korrektur: der Naturpark 1987 und die Krisenjahre zwischen 2008 und 2020. Die Ausstellung endet nicht in der Gegenwart, sondern blickt voraus, mit Szenarien für 2030 bis 2050.
Von 1.970 Einwohnern zu 102 Nationalitäten
Ein Zahlenpaar fasst die ganze Verwandlung zusammen. 1950 zählte Calp 1.970 Einwohner, alle mit spanischer Staatsangehörigkeit. Heute leben dort mehr als 28.000 Menschen aus 102 verschiedenen Ländern. Das ist keine Wachstumsrate mehr, das ist ein anderer Ort.
Wer selbst hierher gezogen ist oder eine Zweitwohnung gekauft hat, findet darin einen Spiegel: Du bist Teil genau jener Bewegung, die in diesen Vitrinen hängt. Und es fügt sich in ein größeres Bild, denn fast ein Viertel der Provinz Alicante hat inzwischen einen ausländischen Pass, der höchste Anteil Spaniens. In Calp liegt er sogar über der Hälfte.
Praktisch: so besuchst du sie
Die Ausstellung ist dauerhaft, es eilt also nicht, doch die Öffnungszeiten folgen denen des Tourismusbüros: montags bis freitags von 8 bis 15 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Rechne mit einer knappen halben Stunde, wenn du die Tafeln liest, länger, wenn du dich in den alten Prospekten verlierst.
Gut zu kombinieren: Das Büro liegt in Gehweite der Promenade, und ein Abstecher zum Hafen zeigt sofort, was vom Fischerdorf geblieben ist. Wer einen ganzen Tag daraus machen will: die Strände liegen in Gehweite, und wie sauber das Wasser dort ist, steht in unserer Übersicht zur Wasserqualität an Calpes Küste.
Bildnachweise
- Calp vom Peñón aus: Foto Bjørn Christian Tørrissen via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
- Fischauktionshalle Calp: Foto Francesc Fort via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

MILO SCHUIJT